Zwei Monate Kunst am Waidmarkt

Im Mai und Juni 2025 war das Rotterdamer Kunstkollektiv Observatorium vor Ort

Kay von Keitz moderiert die Finissage am Panorama-Pavillon 29. Juni 2025 / Foto: go/ArchivKomplex

Zwei Monate lang stand der Pavillon der Künstlergruppe Observatorium aus Rotterdam auf dem Waidmarkt, in Sichtweite der Einsturzstelle. Eine Einladung zum Hereinkommen, Reden, Schreiben durch die Künstler. Observatorium war von der Stadt Köln mit einer „künstlerischen Intervention“ am Ort des katastrophalen Einsturzes des Historischen Archivs beauftragt worden. Die Künstler gingen der Frage nach: Wie beeinflussen der Archiveinsturz und dessen Nachwirkungen das Lebensgefühl der Kölnerinnen und Kölner? Sie hielten deren Beobachtungen, Erfahrungen, Einsichten und Erlebnisse in einem „Logbuch der Zwischenzeit“ fest.

Nachdem er acht Monate lang viel Zeit in der Südstadt verbracht hat, davon zwei Monate im Pavillon am Waidmarkt, resümiert Andre Dekker (Observatorium): „Der Archiveinsturz hat das Lebensgefühl der Kölnerinnen und Kölner in alle Richtungen ausgedehnt: Die Katastrophe hat sie wütender, trotziger, kämpferischer, argwöhnischer, gleichgültiger, gelassener oder utopischer gemacht.“ Er wird das Logbuch und die vielen Gespräche, die er geführt hat, auswerten. „Wir werden das alles dokumentieren und publizieren und wollen dadurch zur Entstehung eines Ortes beitragen, der von Schönheit und Haltung geprägt ist.”

ArchivKomplex und „Köln kann auch anders“ haben die Stadt jahrelang gedrängt, respektvoll und angemessen mit dem Ort des Einsturzes umzugehen. Daraus entstand eine produktive Zusammenarbeit in der Projektwerkstatt, die das Programm „Auf dem Weg zu einem Neuen Waidmarkt“ entwickelte. Kay von Keitz war Mitglied der Projektwerkstatt und er kümmerte sich als Kurator um den Pavillon. „Für mich ist unser gemeinsames Ziel, das Areal des Archiveinsturzes und den gesamten Waidmarkt zu einem belebten Ort der Erinnerung und zugleich zu einem Ort der neuen Wahrnehmung zu machen, voll aufgegangen“, sagt von Keitz. „Und das haben wir dem wunderbaren Skulptur-, Architektur- und Kommunikationsprojekt der Künstlergruppe Observatorium zu verdanken.”

Zur Finissage am 29. Juni 2025 kamen noch einmal rund hundert Interessierte. Sie sahen die Porträt-Zeichnungen von Marja Zomer, die im Pavillon entstanden sind. Sie erlebten die Vertragsunterzeichnung mit Ulrich Fischer (Historisches Archiv der Stadt Köln). Das Archiv wird Material von Observatorium übernehmen, wenn es gesichtet und ausgewertet ist. Sie applaudierten dem Team, dem Andre Dekker dankte: Hannah Heiermann, Ella Kühn und Regina Sasse, die Besucher empfingen und Gespräche aufzeichneten sowie Kurator Kay von Keitz. Sie hörten die Performance von Janko Hanushevsky, E-Bassist, Komponist und Klangkünstler zum Ausklang. Andre Dekker schloss alle 24 Türen des Pavillons.

Das Gastspiel ist zu Ende. Es wird weiterwirken.

Ein Interview mit Andre Dekker auf Meine Südstadt findet sich hier und
die Seite von Oberservatorium hier.

Der Panorama-Pavillon in Bildern

Der Aufbau

Die Eröffnung am 4. Mai 2025

Gespräch mit Mischa Kuball, 15.5.2025

Tag von ArchivKomplex, 18.5.2025

Die Finissage am 29. Juni 2025

Marja Zomer erzählt von ihren Porträts, mehr dazu hier

Andre Dekker zeigt seine Logbücher

Vertragsunterzeichnung mit Ulrich Fischer (Historisches Archiv der Stadt Köln)

Dank an (von rechts) Regina Sasse, Hannah Heiermann, Ella Kühn und den Kurator Kay von Keitz

Fotos: Günter Otten / ArchivKomplex